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Spezialisiertes Friedfischangeln & Naturköderangeln auf Raubfische.
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Hechtangeln vor 100 Jahren

teaser2.jpgDer Hecht fasziniert die Angler schon seit dem Tag an dem der Haken erfunden wurde. In diesem Beitrag möchte ich die besinnliche Stimmung der goldenen Jahreszeit nutzen, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Wie hat man eigentlich zu Großvaters Zeiten auf diesen tollen Räuber gefischt?

„Wer kennt ihn nicht diesen Räuber, diesen Haifisch in unseren Strömen, Flüssen, Seen, Teichen und Gräben, der alles verschlingt, was er überwältigen kann.“ So begann Baron von Ehrenkreutz Ende des 19. Jahrhunderts in „Das Ganze der Angelfischerei und ihre Geheimnisse“ eindrucksvoll sein Kapitel über den Hecht. Damals war es noch üblich, wilde Tiere anhand menschlicher Wesenseigenschaften zu charakterisieren. Der Hecht „vereinigt so ziemlich alle Eigenschaften, die man anderen Fischen nachsagt, die guten sowohl, wie die schlechten“, fügte Fritz Skowronnek 1904 in „Die Fischwaid“  hinzu. Unser wohl bisher größter deutscher Angler, Dr. Karl Heintz, verglich den Esox jedoch mit Raubtieren des Landes: „Es fallen ihm (…) vor allem die Fische zum Opfer, welche irgend einen Defekt an sich tragen, so bei großen Schwärmen die Nachzügler. Er ist so eigentlich die Hyäne oder der Schakal unserer Gewässer“. Weil er „der ärgste Raubfisch des süßen Wassers“ ist, nannte ihn Max v. d. Borne Anfang des 20. Jh. ehrfurchtsvoll auch „Wasserwolf“.

hecht-im-kescher_snk.jpgDieser große Hecht hatte dem Können seiner Fängerin wohl nichts entgegenzusetzen.


Über den Lebensraum des Hechtes wusste man damals schon eine ganze Menge. Eine besonders schöne Schilderung findet sich in Dr. August Winters Werk „Grundangeln“ aus dem Jahre 1929: „Sein wahres Lebenselement ist das warme Wasser der großen Bäche, der Flüsse und Seen der Ebene und des Vorlandes. Dort, wo das Wasser nicht mehr wild und tosend in Fällen und Wirbeln sich zu Tale wälzt, - donnernd gegen Felswände schlägt und sich an den großen Gesteinsbrocken im Flußbette bricht -, sondern mehr geruhsam daherströmt, breite Buchten bildend, wo Schilf und Seerosen üppig gedeihen und breite, tiefe Grasbetten den Boden des Flusses bedecken, - wo Schwärme von Lauben und Rotaugen ihr Spiel in der Sonne treiben und das Wasserhuhn durch das Schilf schreitet oder wo ein See seine Schilfumgürtete Fläche spiegelt. Dort sonnt sich der alte Räuber gern, den breiten, grauen Rücken halb von einen Seerosenblatt verdeckt.“ Herrlich! Zwei Jahre zuvor schrieb Wilhelm Doose in „Fischwaid in deutschen Binnengewässern“ fast liebevoll: „Er weiß sich meisterhaft den Stengeln und Blättern, den Gräsern anzupassen, und wenn man schon die Junghechte sieht, wie sie regungslos unter oder an den Pflanzenteilen sich aufhalten, huscht ein Lächeln über das Antlitz der Angler; sie wissen, was ein Häkchen werden will, krümmt sich beizeiten.“

angler-hecht_r-b.jpgGroße Hechte waren auch vor hundert Jahren Traum jedes Anglers.

Viele Geschichten rankten sich über das Fressverhalten des Hechtes und er wurde oft als raublustig und gierig beschrieben, so auch 1913 von Karl Rühmer und Dr. Alfred Buschkiel in ihrem Buch „Am Fischwasser“: „Je größer er wird, desto dreistere Überfälle wagt er. Daß ein großer Hecht nach dem Fang einen nicht viel kleineren Artgenossen oder einen mehrpfündigen Karpfen ausspeit, ist nichts seltenes.“ Ähnliches wusste auch Wilhelm Doose zu berichten und schrieb, der Hecht „überfällt alles, was er nur irgend bezwingen kann“. Doch gerade diese Eigenschaft machten den Esox für Doose so interessant: „Dieses Draufgehen, ferner seine Kraft und Gewandtheit, seine grenzenlose Brutalität stempeln den Hecht zu einem erstklassigen Sportfisch.“ Offensichtlich scheint unser geliebter Raubfisch recht gefräßig zu sein, wie auch Dr. Karl Heintz zu bestätigen wusste: „In einem futterreichen englischen Parksee wurde ein Hecht im Gewichte von 35 engl. Pfund gefangen, der als 1 ½-Pfünder vor 12 Jahren eingesetzt worden war und im Flusse Avon an einer Legangel 3 Hechte ineinander, von denen der mittlere noch einen ¾ Pfündigen im Magen hatte. Man hat auch schon Hechte im Gewichte von 15 Pfd. gefangen, die Bisse von noch größeren aufwiesen. Einmal wurden in einem gefangenen Hechte 122 verschluckte Fischchen gezählt!“ Bei all dieser offensichtlichen Gefräßigkeit wundert es dann ein wenig, warum man als Angler trotzdem so oft ohne Beute nach Hause geht, denn am hungrigen Hecht kann es ja nicht liegen…
Bei diesem großen Appetit darf ein mächtiges Wachstum natürlich nicht verwundern. Doch die Geschichte, die uns Baron von Ehrenkreutz auftischt, gehört dann doch eher in ein Buch der Gebrüder Grimm. Er schreibt, der Hecht wächst schnell und wird sehr alt, „wie man das an einem Hecht gesehen, den Kaiser Friedrich II. am 5. Oktober 1230 mit einem Ring gezeichnet und eigenhändig in einem See, den sogenannten Kaisers-Wog bei Kaiserslautern gesetzt hatte. Dieser Hecht war den 6. September 1497 wieder gefangen, also 267 Jahre nach seiner Einsetzung; er war neunzehn Schuh lang und wog 350 Pfund.“ Das wäre dann wohl Platz 1 der Blinker Hitparade!

spinnkombo_hy.jpgDer teure Traum unserer angelnden Großväter: Eine Spinnkombo des englischen Herstellers Hardy.

 

devons_hy.jpgDevons von Hardy: Auch damals konnte man seinen Angelkoffer mit vielen bunten Schönheiten füllen...

 

werfen_wr.jpgEin deutscher Spinnangler aus den 1920er Jahren.

Natürlich hat man auch gerne und oft auf Hecht geangelt, denn „der Hecht ist der Angelfisch aller, sowohl für den jungen Anfänger, als auch den manchmal schon an der Grenze menschlichen Daseins angelangten Altmeister“, wie Gustav Fellner in „Der Angelsport“ 1916 treffend formulierte. Dabei waren die alten Methoden den heutigen sehr ähnlich und man unterschied grundsätzlich zwischen der Grundangelei (damals „Schnapp-„ und „Schluckangel“) und dem als sportlich angesehenen Spinnangeln. Rühmer und Buschkiel waren klar Freunde letzterer Angelart: „Wir haben verschiedene erprobten Methoden, um den großen Räuber zu fangen. Die edelste, weidgerechteste Art ist der Fang mit der Spinnangel, stellt dieser doch an den Sportangler die höchsten Anforderungen an Geschicklichkeit und Ausdauer, an Geistesgegenwart und kaltes Blut und erfordert vor allem technisches Können.“ Da in Deutschland erst im Laufe des 20. Jahrhunderts gute Kunstköder (vornehmlich aus dem Ausland) erhältlich waren, dominierte lange Zeit das Spinnfischen mit dem Köderfisch an speziellen Spinnsystemen. Gutes Angelgerät zum Spinnfischen war jedoch sehr teuer. Das beklagte vor allem Fritz Skowronnek: „Eine solche Spinnrute mit allem Zubehör kostet, wenn sie englischen Ursprungs ist, 56 – 60 Mark, mitunter auch das drei- und vierfache. Nun ist es ja nicht absolut erforderlich, daß wir Deutsche uns auf diesem Gebiete von den Engländern gängeln und bevormunden lassen. Die deutsche Industrie kann und muss die Fabrikation solcher Sportgeräte in die Hand nehmen und eine Spinnangel in guter Ausführung für 20 Mark herstellen.“ Sein Aufruf wurde scheinbar erhört, denn in den Folgejahren häufte sich gutes Angelgerät aus deutschen Landen.

spinnsysteme_hy.jpgAnglen mit Köderfischen am Spinnsystem war in Deutschland lange Zeit sehr beliebt.


eisvogelfliege_htz.jpgDie Eisvogelfliege von Dr. Karl Heintz verführte nicht nur Huchen, sondern auch Hechte.

Einen besonderen Köder zum Spinnfischen, den man sich auch selbst herstellen konnte, empfahl Dr. Heintz: Die Hechtfliege. „Die Hechtfliege soll eigentlich einen Vogel vorstellen, der in das Wasser gefallen ist. Man stellt sie dar in Form einer besonders großen, bunten Lachsfliege, hauptsächlich aus mit Gold- oder Silberdraht umwundenen Pfauenfedern, oder eine aus Wolle und Federn gebundene, vogelähnliche Puppe, oder schließlich aus einem natürlichen, ausgebalgten Vogel, der der Länge nach mit einem Messingröhrchen durchbohrt ist. (…) Seit ich mit so großem Erfolg die Eisvogelfliege auf Huchen verwendet habe, gelang es mir wiederholt, auch Hechte damit zu fangen, so daß sie jetzt sozusagen zum eisernen Bestand meiner Spinnausrüstung gehört.“
Neben Köderfischen und Kunstködern wurden aber auch weitaus exotischere Köder zum Hechtfang verwendet, die heute nur noch etwas für hartgesottene Petri Jünger wären. In fast jedem alten Angelbuch wird bspw. die Maus als Topköder für Hechte erwähnt. Heintz schrieb: „Als einer der sichersten Hechtköder ist nach Bischoff eine lebende Maus anzusehen. Abgesehen jedoch von der Schwierigkeit der Beschaffung, ist es nicht jedermanns Sache, eine solche Anzuködern. (…) Man führt einen Haken durch die Rückenhaut, welche sich leicht in Falten aufheben lässt, und überlässt die Maus nach dem Wurfe sich selbst. Vorfach und Schnur müssen möglichst leicht sein, sonst ertrinkt sie schon in der ersten Minute.“ Max v. d. Borne wusste gar, dass die Maus vor allem auf "alte Räuber“ wirkt, bei denen „alle anderen Versuche versagt haben“. Eine Geschichte von Gustav Fellner scheint dies zu belegen: „Ein vorzügliches Lockmittel auf Hechte, an welches ich jedoch seinerzeit als angehender Angler nicht gleich glauben wollte, ist die Maus. Ein alter Hechtfischer konnte damals einen großen, in einem tiefen Tümpel ganz einzeln stehenden Hecht mit keiner noch so verlockenden Köderung herausbekommen; auch das Einlegen des Fischköders und entfernen des Fischenden vom Tümpel nützte nichts, ebenso wenig hatte eine über Nacht ausgelegte Wurfschnur Erfolg. Der Betreffende tränkte dann mittels Wassereinguß in einen Mäusebau eine Feldmaus aus und köderte dieselbe, nachdem er den Korkschwimmer und den Bleisenker von der Schnur abgenommen hatte, in der Rückenhaut an einem Doppelhaken. Die so geköderte und an die tiefsten Wasserstelle gelassene Maus tat bei ihrem Rettungsversuch sogleich ihre Wirkung; sie hatte kaum Schwimmversuche gemacht, als sie vom Hechte unter Wasser gerissen wurde, und damit war das Schicksal des geriebenen Althechtes entscheiden.“

maus_dam.jpgDa die Maus als Erfolgsköder für Hechte galt, stellte DAM lange Zeit den „Maus-Wobbler“ her.

Für den Fall, dass man einen Hecht an den Haken bekam, war auch damals schon Vorsicht im Drill geboten. Ein Angelkollege von Fritz Skowronnek riet deshalb zu einer Minute Drillzeit pro Pfund Gewicht des gehakten Fisches. Dr. Heintz hingegen empfahl ein rasches Landen des Fisches und nahm dabei insbesondere den Bootsführer in die Pflicht: „Mein Rat geht dahin, daß der am Ruder sitzende Sportgenosse oder Bootführer, besonders dann, wenn Gefahr besteht, daß ein geangelter Hecht sich in Wasserpflanzen flüchtet, rasch das bereitliegende Landungsgerät ergreifend, aufspringt, sich der Schnur bemächtigt, den Fisch bis hart an das Boot heranzieht und ihn, ehe er zur Besinnung kommt, wie bei der Schleppangel beschrieben, a tempo gafft oder ausschöpft.“ Auch August Winter riet zur Landungshilfe, denn „das von manchen empfohlene Ausheben mit der Hand unter den Kiemen ist mitunter eine gefährlich Geschichte, und Hechtzähne oder Angelhaken im eigenen Fleisch gehören nicht zu den größten Annehmlichkeiten des Anglerlebens.“

 

koedersortiment-dam_snk.jpgAn Blechködern fehlte es auch um 1900 nicht, wie das Ködersortiment eines deutschen Händlers zeigt.


Es ist schon eine Aufregende Sache einen großen Hecht zu fangen und zudem oft der Höhepunkt im Leben eines Anglers. Diese Meinung teilte auch unser Altmeister Dr. Heintz, der das Angeln mit der Jagd verglich „weil es die beiden ältesten ritterlichen Vergnügen sind, denen schon unsere Altvorderen sich mit Leidenschaft hingaben. (…) So komme ich dann stets zu dem Resultate, daß höchstens eine weidgerechte Pirsche auf den majestätischen Hirsch oder den flüchtigen Gemsbock eine ähnliche Summe von Aufregungen und ein solches Gefühl der Befriedigung gewährt wie der Kampf mit einem Zwanzigpfünder an einer Spinngerte.“ Wahnsinn!

Wie könnte ich nun diesen Beitrag schöner beenden als mit den über 100 Jahre alten Worten von Fritz Skowronnek: „Und dann hinaus aufs Wasser und fröhlich gesponnen. (…) Und was eine energische stundenlang fortgesetzte Bewegung in frischer Luft für den Großstädter bedeutet, der von seinem Beruf die Woche über an die Werkstatt oder den Bureauschemel gefesselt wird, das brauche ich wohl nicht näher auseinander zu setzen. Also hinaus zum fröhlichen Spinnen und - Petriheil!“

Von Wolfgang Kalweit


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