Das Riechvermögen von Fischen

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22 Apr 2020 20:49 - 22 Apr 2020 20:54 #1 von Tincer
Das Riechvermögen von Fischen wurde erstellt von Tincer
... ich packe es mal in die Rubrik "Watercraft", irgendwie hat es ja auch mit dem gezielten Fischfang zu tun ...

Anatomie, Physiologie

Die „Nasen“ der Fische, nicht nur von der Form her völlig anders ausgebildet als der hervorstehende, menschliche Riechkolben, bestehen aus chemischen Sinneszellen, die bei allen Fischarten in etwa gleich aufgebaut sind.
Es handelt sich um zum Wasser hin offene Kammern, die mit stark faltigem Riechepithel ausgekleidet sind und durch die das Wasser in nur einer Richtung strömt.
Die Durchströmungsgeschwindigkeit kann von der Schwimmgeschwindigkeit abhängig sein, aber auch von Cilienbewegungen oder aktiven Pumpen, welche durch die Atembewegungen des Fisches „angetrieben“ werden. Bodenbewohnende Arten besitzen mitunter sogenannte kontraktile Nasensäcke, die den Wasseraustausch verbessern helfen und regelrechtes Schnüffeln ermöglichen.
Durch die starke Faltung der „Riechschicht“ in der Fisch Nase wird auf engstem Raum eine große Fläche gebildet, so dass dort Unmengen an Rezeptoren positioniert sein können. Dadurch wird eine hohe Leistungsfähigkeit gewährleistet. Die Nase dient den Fischen als Fernsinnorgan. Je nach Fischart werden in der Literatur bis zu 100 m Entfernung angegeben.



Die Fisch-Nase besteht also aus paarigen Gruben, Gängen, Höhlen oder Säcken mit Radiärfalten, welche viele chemisch aktive Nervenendigungen (Rezeptoren) enthalten.

Im Gegensatz zu den Rezeptoren anderer Vertebraten (Wirbeltiere) sind die olfaktorischen Rezeptoren der Fische primäre Sinneszellen, welche eigenständige Axone, sozusagen spezielle Riech-Nervenstränge zum Gehirn besitzen.
Eine erwähnenswerte Besonderheit, aus der wir als Angler unsere Schlüsse ziehen müssen - der Fisch-Geruchssinn ist vom Geschmackssinn klar getrennt!

Der Waller ist als Geruchs und Geschmacksexperte bekannt. Was bleibt ihm auch bei seinen schlechten Augen.
Eine artspezifische Besonderheit, was wie bereits erwähnt unabhängig vom Geruch agiert, bei ihm sind die Geschmackszellen auf der gesamten Körperoberfläche positioniert, nicht nur im Maul- und Bartelbereich. Letztere arbeiten im Nah-Kontakt-Bereich wohingegen die Welsnase die „fernere“ Funktion innehat. Es wird sozusagen zuerst gerochen, dass was zu Fressen naht. Ob das dann schmeckt muss sich zeigen.

Die Verbindung der Fisch-Riechzellen zum Gehirn funktioniert in etwa so:
Im gefalteten Epithel mit seinen unzähligen Sinneszellen erfolgt die Aufnahme der erhaltenen Stimuli zum Geruchsgeschehen. Die Erregungen werden anschließend über den Nervus olfactorius den paarigen Bulbi olfactorii (Riechkolben) zugeleitet. Von dort aus erfolgt die Reizleitung über die beiden langen Riechstiele (Tractus olfactorius) direkt zum Vorderhirn (Telencephalon) und dem Hypothalamus … und das Alles geht mehr als blitzschnell, in Millisekunden!



Anatomische Besonderheiten:

Aale haben ein Wimpernepithel in den Riechfalten, dieses erzeugt einen Wasserstrom, sorgt somit für eine höhere Kontaktzahl evtl. im Wasser vorhandener Geruchsmoleküle an den aktiven Nervenenden.



Stichlinge haben nur eine Nasenöffnung je Seite. Wie dort der Durchstrom funktioniert > ich habe keine Ahnung.

Haie, diese seit Millionen Jahren auf der Erde lebenden Knorpelfische, können 1 Molekül Blut in 1,5 Millionen Molekülen Wasser riechen … doch lieber nicht ritzen beim Baden in tropischen Meeren!

Das Riechen erfolgt „molekular“, die chemisch aktiven Rezeptoren erkennen sozusagen im Wasser vorhandene freie Moleküle. Viele Fischarten reagieren sehr empfindlich auf olfaktorische Reize und können extrem niedrige Konzentrationen wahrnehmen … wie zuvor schon erwähnt.



Geruchsintensive Köder locken Raubfische an, Strömungen begünstigen das Auffinden.

Einige Beispiele aus der Fischwelt:

Aale: Erkennung von Beta-Phenylethylalkohol (Rosenölbestandteil) bei ca. 770 Molekülen je ml Wasser oder nur einem einzigen Molekül in seinen olfaktorischen Gängen.



Lachse: empfindliche Reaktion auf das Wasser aus ihrem Heimatfluss, hingegen kaum Reaktionen auf „Fremdwasser“. Somit finden sie zuverlässig ihren Geburtsort wieder.

Fische sind auf Grund ihrer „empfindlichen Nase“ in der Lage über Geruchs-Stimuli (Blutmoleküle im Wasserkörper, freie Aminosäuren usw.) ihre Nahrungsquellen aufzusuchen. Der Riechsinn spielt ebenfalls bei der Paarung eine wichtige Rolle, die Geschlechter finden zielsicher zueinander.

Es sind bei Lachsen Alarmreaktionen auf ins Wasser gelangte „Botenstoffe“ von Hunden, Bären und Menschen nachgewiesen worden. Hände waschen verboten beim Fischen, jedenfalls nicht im Angelwasser!

Elritzen werden z.B. durch Wasser unruhig, in dem Hechte oder Forellen schwimmen. Die wissen warum.

Die zuvor aufgezählten Reaktionen sind sämtlich olfaktorischen Ursprungs, nach Durchtrennung der Riechnerven bei den Versuchsprobanden blieben die Reaktionen nämlich aus; wzbw.

Weitere interessante Fakten zu „guten und schlechten Riechern“:

Beim Hecht (Esox lucius) nimmt die Fläche des Riechepithels nur etwa 10 % derer seiner Retinafläche (Netzhaut des Auges) ein … ein ärmlicher Schnüffler sozusagen.
Er ist halt ein Augenräuber. Wer weiß aber schon ob er als Köder-Nachläufer nicht doch gern „Blut riecht“.

Sorry, mehr war nicht zu finden zu den Fischnasen, wohl ein stiefmütterlich behandelter Forschungszweig oder von der Futtermittelindustrie geheim gehaltener …


Weiterhin Nachzulesen, ich muss das ja nicht abschreiben:

de.wikipedia.org/wiki/Fischnase

Verwendete Literatur für Vorangegangenes, ich habe mir das schließlich nicht ausgedacht:
Biologie der Fische - Bone & Marshall - New York 1985
Lehrbuch der speziellen Zoologie, Band II Wirbeltiere; Teil 2 Fische - Kurt Fiedler – Jena 1991

… und nun das Wichtigste, die Schlussfolgerungen für uns Angler.



Ist die Anwendung von Lockstoffen überhaupt notwendig?

Bei gesicherten Erkenntnissen, dass der Geruch ein Fernsinn ist sage ich ja.

Barsch, Rapfen, und Hechte sind evtl. etwas „augenlastiger“ veranlagt als Aale, Barben, Döbel, Karpfen, Schleien, Zander und Waller. Was macht das schon, wir gehen auf Nummer sicher und pimpen die Köder geruchsintensiv.



Der Angler kann seinem Erfolg gehörig auf die Sprünge helfen. Köder mit Geruch sind gefragt. Geruch der dem Fisch verspricht „ich mache dich satt“. Warum den stinkenden, zappelnden Mistwurm nicht zusätzlich mit Teboraupen kombinieren, die tüchtig Fettmoleküle ins Wasser absondern, die z.B. den Aal alle Vorsicht vergessen lassen …

alle Fotos und die Skizze sind von mir erstellt

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Letzte Änderung: 22 Apr 2020 20:54 von Tincer.
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23 Apr 2020 08:56 - 23 Apr 2020 08:58 #2 von Tief im Westen
Tief im Westen antwortete auf Das Riechvermögen von Fischen
Ein überaus interessanter Beitrag!

Das ist eigentlich ein BasisThema, dass in die Rubrik "Beiträge" gehört. Es ist und bleibt aktuell und sollte nicht in der Historie des Forums verschwinden.

Mich erschüttern dann immer wieder so Hinweise am Rande (fast hätte ich lapidar geschrieben):
Hände waschen im Angelgewässer verboten.
Ich reibe mir die Hände immer mit Flusssand und viel Wasser ab, vor dem Anrühren des Futters. Gerade um keine unerwünschte Geschmacksstoffe ins Futter und an den Köder zu bekommen. Jetzt werde ich das in der Wasserschale machen und das Wasser am Ufer entsorgen.

Ich will ja nicht behaupten, dass ich immer alles falsch gemacht habe (manchmal drängt sich der Eindruck dezent auf), aber es ist unglaublich, was man noch hinzu lernen kann!

Jetzt noch was Praktisches: Wir hatten uns über Milchpulver unterhalten. Außer dem Trockenmilchpulver gibt es ja auch noch das Lactalbumin, das ich aus der Boilieherstellung kenne. Gibt es da in der Lockwirkung Unterschiede, wird eines von beiden besser von den Fischen wahrgenommen?
Letzte Änderung: 23 Apr 2020 08:58 von Tief im Westen.

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23 Apr 2020 09:57 - 23 Apr 2020 10:00 #3 von Tincer
Tincer antwortete auf Das Riechvermögen von Fischen

Tief im Westen schrieb: Jetzt noch was Praktisches: Wir hatten uns über Milchpulver unterhalten. Außer dem Trockenmilchpulver gibt es ja auch noch das Lactalbumin, das ich aus der Boilieherstellung kenne. Gibt es da in der Lockwirkung Unterschiede, wird eines von beiden besser von den Fischen wahrgenommen?


Das kann ich nicht sagen. Die Fische können jedenfalls freie Aminosäuren "riechen". Ein ehemaliger Dozent vom IFB sollte mal für eine Angelzeitschrift zu dem Thema schreiben. Er war im Vorfeld eigentlich der Meinung Fische könnten das nicht so, dass es anglerisch einen Effekt hätte. Um so erstaunter waren wir, er dozierte auch zum Thema Angelfischerei weshalb wir uns im Regen Austausch befanden, dass Fische das eben doch können und zwar ziemlich gut.

Ich hatte mir die Aminosäure notiert, auf die in Fütterungsversuchen am besten reagiert wurde (von Karpfen) ... den Zettel finde ich nicht mehr :blush:

Ich denke Fische können sowohl Milchpulver als auch Alpha-Lactalbumin (Eiweißbaustein) feststellen. Die Frage ist hier eher, was löst sich besser, um in die Fischnase gelangen zu können.

Das mit dem Händewaschen ist eigentlich nur beim Nahdistanzangeln und erfahrenen Fischen wichtig. ... und ehrlich, ich vergesse das bisweilen auch "gerne".

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Letzte Änderung: 23 Apr 2020 10:00 von Tincer.
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23 Apr 2020 14:42 #4 von Tief im Westen
Tief im Westen antwortete auf Das Riechvermögen von Fischen
Ja ich habe auch so einen Zeittel. Von S.E.Archers: Fish Potion No. 9. Find ich auch nicht mehr, war ein absolut geheimes und endlos fängiges Rezept. Nun bleibt es geheim....

Falls sich jemand in den 60ern nicht so auskennt: https://www.youtube.com/watch?v=7rXhXLsNJL8

Jetzt aber noch ein eFrage zum Geruch und Füttern allgemein. Ich sehe immer wieder Experten, die Futter unterschiedlichster Provenienz zuasammen mixen, dann noch diesen Enhancer und jenes Liquid hinzufügen um darüber mit einem noch ganz anderen Geschmacksköder zu angeln.

Viel hilft viel? können die Fische das alles unterscheiden oder bringts der Gesamtgeschmack des Cocktails. Ich selbst bleibe ja lieber bei einer Geschmacks-/Geruchs-Richtung.

Welcher weg wird der vermeintliche bessere sein?

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23 Apr 2020 15:04 - 23 Apr 2020 15:06 #5 von Tincer
Tincer antwortete auf Das Riechvermögen von Fischen
"Eine Schleiennase"


Wolfgang, viel hilft nicht viel. Manchmal hat man mit der von Dir beschriebenen Vorgehensweise den Effekt, dass sich z.B. die Brassen auf dem Futter wälzen, das war es dann aber auch schon.

Es kann Sinn machen mit einem Flavor das Futter anzurühren und völlig gegensätzlich zu fischen. Das hat oft bei erfahrenen Fischen Erfolg.

Ich bevorzuge ebenfalls Deine Variante ><<<<<;((°> so wie das Lockfutter so der Köder.

Wenn ich meinem Futter eine "Megamenge" Aroma zusetzte hat das den Sinn die Karpfen, die so was schon zur Genüge kennen abzuhalten ... und so in Ruhe Schleien zu angeln.

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23 Apr 2020 19:27 #6 von zanderpitt
zanderpitt antwortete auf Das Riechvermögen von Fischen
zum richvermögen möchte ich nur soviel sagen, als ich noch auf aal angessen habe (ist schon ein paar jahre her)habe ich mir immer die hände an der angelstelle im ufersand richtig eingesaut mit dreck und danach erst den taumwurm angefasst.
habe aber einen bericht über einen englischen aalspezi (ist leider sehr früh verstorben) gelesen der immer recht lange auf recht große aale ansaß und der war kettenraucher ob das gelockt hat???
übrigens wolfgang dein teig war gestern gut zum schneidern ,naja bei dem ostwind

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