Akzeptieren

Die Webseite verwendet Cookies, um ein optimales Nutzererlebnis zu bieten. Nutzen Sie diese Website oder Dienste weiter, stimmen Sie der Verwendung zu. Mehr Informationen

Spezialisiertes Friedfischangeln & Naturköderangeln auf Raubfische.
Home Forum
Willkommen, Gast

"Zugkraft" von Ruten ermitteln
(1 Leser) (1) Gast
  • Seite:
  • 1
  • 2

THEMA: "Zugkraft" von Ruten ermitteln

"Zugkraft" von Ruten ermitteln 04 Mär 2014 20:07 #8644

  • HerrJanssen
  • OFFLINE
  • Ständig hier
  • Wenn man doch nur mehr Zeit fürs Angeln hätte...
  • Beiträge: 200
Da ich derzeit total erkältet bin, hab ich mir einen Stapel Angelbücher geschnappt und fleißig gelesen. Dabei bin ich bei der Abstimmung von Rute, Schnur und Haken mal wieder auf meine unzureichenden Kenntnisse aufmerksam gemacht worden.
Klar, englische Ruten haben die TC-Angaben, kontinentale eher eine WG-Angabe, aber wie viel man mit so einer Rute tatsächlich „ziehen" kann, ist damit noch lange nicht klar.

Hintergrund ist Folgender: Ich möchte in Zukunft besser Rute, Schnur und Haken abstimmen, damit ich (ich übertreibe jetzt mal) nicht mit 0,30er Schnur an der Matchrute 16er Haken angele.

Ich besitze den WAKU-Schnurtester, der es laut „Fische fangen mit dem Bodenblei“ von V. Kluve-York erlaubt, neben der Reissfestigkeit von Schnüren und Knoten auch die „Kampkraft“ von Ruten zu ermitteln und daraufhin eine ideale Kombination aller genannten Komponenten gestattet. Nur wie?
Klar, ich kann an der Rute zerren und irgendetwas an der Skala ablesen, aber wann ist „genug“ des Gezerres?

Bei der TC ist klar, dass der Blank einen 90°-Winkel bilden muss. Wann ist aber die Grenze der Zug- oder Kampfkraft einer Rute erreicht?

Bin auf Eure Erfahrungen gespannt!
A float tip is pleasing in it's appearence and even more pleasing in it's dissapearence!
[H.T. Sheringham]

Aw: "Zugkraft" von Ruten ermitteln 05 Mär 2014 18:09 #8699

  • lucius
  • OFFLINE
  • Ständig hier
  • Beiträge: 345
Wenn der Blank mit lautem Knall zersplittert
Nein Spass beiseite.Hintergrund der Geschichte ist ,dass ein Rutenblank nur eine gewisse
Zugkraft aufbringen kann.Erinnere mich wage an einen Karpfenrutentest wo VCY ca 2kg
als Maximale zugkraft ermittelt hat und man somit ne Schnur mit 5 pounds Tragkraft nicht
zerrissen kriegt.Soweit die Theorie.Habe mich mit der Materie auch schon mal kritisch
auseinandergesetzt im Bezug auf passende Schnüre für meine Splitcanes und Canerods,die
ja bekanntermassen zum Teil extrem leicht sind....Dabei ist rausgekommen das man den
Testkurvenwert mit 5 bis 6 multipliziert und dann die maximale Schnurstärke die der Blank
verträgt erhält.
Beispiel:Meine Martin James Spanish reed Matchrute hat eine Testkurve von 8 oz was ca
0,5 lbs sind.0,5lbs mal 6 = 3lbs Schnurtragkraft maximalst.Sicherer 0,5lbs mal 5=2,5lbs=ca 1,4kg!!!
Nutzt Dir so aber noch nicht viel weil du ein WG in Gramm angegeben hast.
Noch nicht schwierig 28g sind ca 1 oz und 16 oz gleich 1 pound.
Anderes Beispiel: WG 30g Mal 16 gleich 480 geteilt durch 454 gleich 1, und ein bisschen mal
6 gleich 7 pounds oder 3,5 kg Schnurtragkraft maximal.
Habe daraufhin den Test mit meiner B.James MK IV G gemacht und festgestellt
das die Biegekurve ab ca 1,8 kg stagniert .Mehr geht da nicht.Der Blank ist da also an seiner
Grenze.Die schnurstärkenempfehlung liegt hier bei maximal 8 pounds...Rute hat tc von 1/5/8 lbs.1,5 mal 5 gleich 7,5;1,5 mal 6 gleich 9 .Also max 8 pounds...

Ist also nicht unbedingt erforderlich auf ner 2,5 lbs Karpfenrute ne 20kg geflochtene zu fischen.
Das ist auch indirekt der Grund warum ich Maxima fische.Relativ wenig Tragkraft,aber
ich laufe damit nicht Gefahr mir die Hartchromringe zu vernudeln weil ich den Zehntelmilimeter
noch deutlich unterschreiten könnte.Die 0,20 maxima hat ca 5 pounds Tragkraft:Passend für
meine Ruten und nicht so dünn das mir die Ringe zu schnell verschleissen.

Ziemlich viel Input aber ich denke halbwegs verständlich.Bei Fragen fragen
Folgende Benutzer bedankten sich: HerrJanssen, BRB, Bitterling

Aw: "Zugkraft" von Ruten ermitteln 05 Mär 2014 20:30 #8710

  • HerrJanssen
  • OFFLINE
  • Ständig hier
  • Wenn man doch nur mehr Zeit fürs Angeln hätte...
  • Beiträge: 200
Danke Dir für die Erläuterungen! Klingt grundsätzlich einleuchtend, doch sind die Angaben auf (08/15-)Ruten wirklich vertrauenswürdig? Sowohl, was TC/WG betrifft als in der Konsequenz auch die Zugkraft, die man daraus ableitet? Ich hab heute mal zum Spaß im Wohnzimmer mit einer 3,00m Rute rumprobiert. Hatte aber etwas Angst, beim Schnurbruch die Rute gegen die Wand zu pfeffern, hab daher vielleicht nicht die max. Zugkraft aufgebracht, obwohl es schon echt extrem war! Es ergab sich bei einem angegebenen WG von 30g eine Zugkraft von max. 1,15kg.

Rein von den "Werksangaben" müsste es so aussehen:

30g WG ? 1,1lb TC Müsste also 1,1x5(6)=5,5(6,6)lb als empfohlene Schnurtragkraft ergeben. Also Schnüre zwischen 2,5kg und 3,0kg

Klar ist, dass man aufgrund der Tragkraft herabsetzenden Knoten, Seitenarmen etc etwas Reserve einbauen muss! Aber wenn ich mit der Rute deutlich unter 1,5kg ziehen kann, warum eine Schnur verwenden, die unter idealen Bedingungen mehr als das Doppelte hält?

Ich werde den WAKU-Tester am Wochenende mal auf dem Innenhof entsprechend aufbauen und berichten, was ich so rausbekommen habe. Wünscht mir, dass am Ende weder der Tester noch eine Rute kaputtgeht...

Ich gehe doch recht in der Annahme, dass ich an der Rute zieh, bis sich keine Veränderung der Biegekurve mehr ergibt?

Sonst noch jemand Ideen?
A float tip is pleasing in it's appearence and even more pleasing in it's dissapearence!
[H.T. Sheringham]
Folgende Benutzer bedankten sich: BRB

Aw: "Zugkraft" von Ruten ermitteln 05 Mär 2014 20:42 #8712

  • mupliss
Wenn der Blank mit lautem Knall zersplittert




Bei der TC ist klar, dass der Blank einen 90°-Winkel bilden muss. Wann ist aber die Grenze der Zug- oder Kampfkraft einer Rute erreicht?


Viele Angler meinen ja, die Schnurstärke richte sich nach der Tragkraft. Falsch. Mehr als 4kg Tragkraft braucht man noch nicht mal beim Karpfenfischen, lassen wir den Wels mal außen vor.
Aber: Knotenfestigkeit und vor allem Abrieb müssen beachtet werden. Je dicker die Schnur, so unproblematischer sind z.B. Muscheln im Kraut - "geschlitzte" Schnur ist da vollkommen normal und die halbierte Schnur muss noch halten...

Von Seiten der Mechanik ist die Länge der Ruten entscheidend, weshalb z.B. Big-Game Ruten sehr kurz sind. Nimm eine 12m Unberingte und einen Karpfen. Sagen wir, die Ruten hat eine typische Spitzenaktion und die Länge im Drill sei 10m. Der Karpfen zieht mit 1kg, also ~10N. Daraus wird ein Drehmoment von 10m*10N=100Nm erzeugt.
Du hast das Ende in der Leiste, und hälst die Rute bei 0,5m. Dementsprechend gilt: 100Nm/0,5m=200N ~20kg Zugkraft! Ein Kasten Bier wiegt etwa 17kg - da geht richtig was.
Da ein großer Karpfen sicherlich mehr als 10N Zugkraft generieren kann, geht dann halt u.U. nichts mehr...

Bei den Ruten ist die Biegekurve sicherlich sehr entscheidend. Eine RW Carp mit 1 5/8 lb kann man unter 90° zum Fisch bis zum Sanktnimmerleinstag ziehen - es geht irgendwie immer weiter. Wenn der Fisch im Kraut sitzt, legst du die Rute gerade und ziehst über die (hoffentlich) gute Schnur. Da generiert man wesentlich mehr Druck...
Aber: was passiert, wenn der Biegeradius bei gleicher Kraft verändert wird?
Messe, moderne Karpfenrute, 400,- EUR Klasse, top Material. Der Händler hält die Spitze und der Kunde zieht sich einen Ast. Nichts passiert. Dann tritt der Kunde unter vollem Zug einen Schritt vor und was passiert? Knall und Peng und ein lautes "Oh". So in Bonn passiert. Wieso?
Die Rute wurde in eine unnatürliche Biegekurve gezwungen, konnte nicht "nach oben" ausweichen.
Im Drill kann man eine Rute "falsch" und überdurchschnittlich belasten, wenn man z.B. über 12Uhr hinaus die Rute nach hinten legt. Ab 2Uhr wird der Biegeradius in der Spitze u. U. so klein, dass es knallt, obwohl die Rute noch nicht voll belastet ist!

Glas vs. Carbon bzw. "eine spürbare Grenze".
Vielleicht kennst du es von Autos. Es gibt Hecktriebler mit einer sehr schön definierten Grenze im Übersteuern. Du merkst genau: bis hier und nicht weiter, dann kommt der Arsch.
Mittelmotorfahrzeuge haben genau dies nicht und du weist nie, wann - und wenn er kommt, dann ist es eklig und brutal...
Bei Ruten ist es leider genau so. Es gibt sowohl Glas-, als auch Carbonruten, die eine Grenze vermitteln. Du fährst auf "Block" im Handteil und weisst: jetzt ist Schluss. Jetzt weiter und es gibt Bruch.
O.g. RW Carp ist genau das Gegenteil. Du hst diese Grenze nicht und weisst nicht, wo du stehst. Es geht immer weiter und weiter und du ahnst nur, dass du schon jenseits der 100% bist...

Aw: "Zugkraft" von Ruten ermitteln 05 Mär 2014 20:54 #8713

  • lucius
  • OFFLINE
  • Ständig hier
  • Beiträge: 345
Im groben ist das so mit dem Test.Nur vorsichtig ziehen bis Kurve konstant ist,nicht bis der Blank
oval wird.Um das WG zu prüfen folgender "Testaufbau":Zieh Schnur durch die Ringe und binde
am Ende der Schnur eine Gefriertüte fest in die Du solange Sand ,Salz ,Zucker weiss der Geier
was reintust bis Du die 90 grad Biegung in der Rute(Spitze der Rute bei Spitzenaktion)hast
und wiege nach wieviel gewicht das ist.Um auf Deine 30 g Rute zu kommen wirst Du dort
vermutlich 454-464g dranbinden können.454:16=1 oz also 28,...g.Nach dem Test weisst Du
vermutlich besser Bescheid was Du da in den Händen hast.Wie gesagt beherzt an die Sache
rangehen da die ein oder andere moderne Rute ne eingesetzte spitze hat wo die Matte soweit
weggeschliffen ist das man den Übergang fast nicht mehr sieht.Dort knackt es dann gelegentlich
bei Überlastung.......Ist halt ein Bereich bis wo die Rute schadlos maximal belastet werden darf.
Bis es knallt kann es also über diesen Bereich hinaus noch ETWAS dauern......
Folgende Benutzer bedankten sich: Bitterling

Aw: "Zugkraft" von Ruten ermitteln 05 Mär 2014 20:59 #8714

  • HerrJanssen
  • OFFLINE
  • Ständig hier
  • Wenn man doch nur mehr Zeit fürs Angeln hätte...
  • Beiträge: 200
Da will ich ja gerade hin! Zugkraft der Rute + X% Reserve (je nach Angelmethode und Gewässerbeschaffenheit) ergibt eine sinnvolle feine aber dennoch nicht unterdimensionierte Montage.

Oder ist das zu einfach gedacht? Denn die Zugkraft ermittle ich ja an der jeweiligen Rute.
A float tip is pleasing in it's appearence and even more pleasing in it's dissapearence!
[H.T. Sheringham]

Aw: "Zugkraft" von Ruten ermitteln 05 Mär 2014 21:03 #8715

  • lucius
  • OFFLINE
  • Ständig hier
  • Beiträge: 345
Ganz genau deshalb ziehe ich ne compoundtaperglasrute wie die RW CARP oder die Bruce
und Walker MK IV G jeder modernen Karpfenrute vor.Diese Stöcke haben eine brutale
bis brachiale Gewalt in die Glasfaser eingewebt... Man halte sich dabei bitte vor Augen das
diese Ruten pimaldaumen 45 g WG haben und man damit mal eben nen 50lbs Karpfen an ner
30 er Mono ausdrillen kann.(Auch wenn der Puls gewaltig hochgeht wenn man die Biege sieht..)

Aw: "Zugkraft" von Ruten ermitteln 05 Mär 2014 21:06 #8716

  • lucius
  • OFFLINE
  • Ständig hier
  • Beiträge: 345
Kannst annehmen das das Maximalwerte sind wovon man (Besser)10%abzieht um im Komfortbereich der Rute zu bleiben.Deshalb Faktor 6 Maximal,Faktor 5 ideal....

Aw: "Zugkraft" von Ruten ermitteln 06 Mär 2014 14:15 #8719

  • Tincer
  • OFFLINE
  • Top Boarder
  • Beiträge: 1257
Interessanter Tread, man lernt nie aus
Ich angele, um dem Lärm der Welt zu entfliehen.

Aw: "Zugkraft" von Ruten ermitteln 06 Mär 2014 22:20 #8733

  • HerrJanssen
  • OFFLINE
  • Ständig hier
  • Wenn man doch nur mehr Zeit fürs Angeln hätte...
  • Beiträge: 200
@Mupliss: Du bringst die Mechanik der Ruten ins Spiel, die aus der Zugkraft des Fischs über den Hebel (die Rutenlänge) ein Moment erzeugen. Dass das über die Rutenlänge zunimmt, ist mir vollkommen klar, nur ändert sich die Belastung für die Schnur dadurch nicht. Lediglich für die Rute und den Angler.

Was ich trotz guter Einwände bis jetzt nicht verstanden habe, ist folgendes: Mein Plan ist es die Zugkraft der Rute mit dem WAKU-Gerät zu messen. Damit messe ich ja bereits eine definierte Rute, einer definierten Bauform. Mehr Zug kann ich nicht aufbringen, weil dann entweder der Blank bricht oder die Schnur reisst. Oder eben der WAKU-Tester geht kaputt (bei max. 5kg glaub' ich das erstmal nicht, ich hab nur leichte Friedfischruten)

Wo greift jetzt in diesem Kontext aber Dein Einwand?

Es ist in diesem Fall imo sogar unerheblich, aus welchem Material die zu testende Rute besteht, da ich sie nur bis zu einer sinnvollen Grenze belaste und die ist ja von der jeweiligen Rute abhängig. Ich möchte ja keine allgemeingültigen Angaben generieren, sondern explizit auf meine Ruten anwendbare Ergebnisse.

Nur, was ist z.B. sinnvoll als Standard-Reserve unter guten Bedingungen? 10%? Oder gar 50%?
Ich greife mal meine Berechnung von gestern auf...


HerrJanssen schrieb:
[...] Es ergab sich bei einem angegebenen WG von 30g eine Zugkraft von max. 1,15kg.

Rein von den "Werksangaben" müsste es so aussehen:

30g WG ? 1,1lb TC Müsste also 1,1x5(6)=5,5(6,6)lb als empfohlene Schnurtragkraft ergeben. Also Schnüre zwischen 2,5kg und 3,0kg

Klar ist, dass man aufgrund der Tragkraft herabsetzenden Knoten, Seitenarmen etc etwas Reserve einbauen muss! Aber wenn ich mit der Rute deutlich unter 1,5kg ziehen kann, warum eine Schnur verwenden, die unter idealen Bedingungen mehr als das Doppelte hält?


Mir ist klar, dass wenn ich mit Schwung einen Futterkorb auswerfen möchte, es auch eine brauchbare 0,20mm Schnur an ihren Schwachstellen zerreißen kann.

Gibt es hierzu eine sinnvolle Pi mal Daumen Regel, wie viel Sicherheit man einbaut, ohne unnötig schwere und damit auffällige Montagen verwenden zu müssen?
A float tip is pleasing in it's appearence and even more pleasing in it's dissapearence!
[H.T. Sheringham]
  • Seite:
  • 1
  • 2
Ladezeit der Seite: 0.15 Sekunden

Neu im Forum: