Akzeptieren

Die Webseite verwendet Cookies, um ein optimales Nutzererlebnis zu bieten. Nutzen Sie diese Website oder Dienste weiter, stimmen Sie der Verwendung zu. Mehr Informationen

Spezialisiertes Friedfischangeln & Naturköderangeln auf Raubfische.
Home Forum
Willkommen, Gast

Stoltenberg's Bemerkungen (AM HAKEN)
(1 Leser) (1) Gast
  • Seite:
  • 1

THEMA: Stoltenberg's Bemerkungen (AM HAKEN)

Stoltenberg's Bemerkungen (AM HAKEN) 18 Mai 2019 09:53 #19601

Ich hatte in dem verblichenen Magazin ein ständige Kolumne und dachte mir, diese epochalen Tipps, die nun nicht mehr veröffentlicht werden könnten in diesem Forum auch interessierte Leser finden...

Stoltenbergs Bemerkungen

Ausgeschlitzt!
Die besten Tipps, einen Fisch zu verlieren


Es gibt ja so richtig ausgefuchste Zeitgenossen, echte Schlitzohren. Ich möchte sogar noch weiter gehen, Deutschlands Angler sind die reinsten Schlitzer! Kaum hat mich der Artikel so richtig gepackt, ich fiebere aufgeregt im Drill mit, spüre schon die zornigen Rucke in meiner eigentlich auf dem Sessel entspannt ruhenden Hand, mein Puls steigt, erste Schweißperlen auf der Stirn – und dann lese ich: Der Fisch ist ausgeschlitzt! Der reinste Drilloitus Interruptus!
1Hechtsprung.jpg1Hechtsprung.jpg

Während meine Schnappatmung sich langsam normalisiert, die Enttäuschung noch bitter auf den Lippen schmeckt, kehre ich in die Wirklichkeit zurück und denke, hoffentlich passiert mir so etwas nicht! In welcher Lebenslage auch immer…

Gut, Fische werde ich nach dem Biss immer wieder mal verlieren, nur behaupte ich, das ist kein Schicksalsschlag, kein Fluch und schon gar nicht schlitzen meine Haken aus! Das gebräuchlichste Synonym für schlitzen ist schneiden. Ein vernünftiger Fliegen- oder Karpfenhaken tut so etwas nicht! Das müsste schon einer vom Typ Jack The Ripper, mit senkrecht stehender, doppelseitiger Schneide sein. Wenn er nicht hält, dann sitzt der Haken fast immer nicht perfekt, nur in einer Hautfalte oder konnte in einen harten Knochen nicht eindringen. Kein Wunder, dass er sich löst.

Ich kenne in deutschen Gewässern keinen Fisch, der ein so weiches Maul hätte, dass ein halbwegs eingedrungener Haken wie durch Butter hindurchschneiden würde. Da unsere heimischen Fische keine Hände haben, erledigen sie die Nahrungsaufnahme, auch das Absammeln der Nahrung von Steinen und Wasserpflanzen mit dem Maul. Wäre das nicht widerstandsfähig und zäh würde es recht schnell abgenutzt sein.

Unsere Lippen sind viel weicher! Trotzdem ist der Haken, den mir ein besonders aufmerksamer Sportfreund vor fast fünf Jahrzehnten in der Jugendgruppe dort verankerte, nicht ausgeschlitzt. Erst nachdem die widerhakenbewehrte Spitze abgeknipst war, konnten Blut und Tränen gestillt werden.

Um sicher zu stellen, dass der Fisch sich überhaupt vorzeitig davonmacht, sollte man sich umsichtig verhalten. Es lohnt sich, einige Grundkenntnisse in der Hakvermeidung zu besitzen! Schließlich erspart man sich so die Sorge um eine rechtssichere, sinnvolle Verwertung. Anders als Catch & Release ist ein Quick Release gesellschaftspolitisch und juristisch auch nicht verpönt. Eigentlich also nur Vorteile.

1. Vom richtigen Zeitpunkt

Damit möchte ich keinesfalls das oben von mir allenfalls peripher gestreifte zwischenmenschliche Thema aufgreifen, sondern über das Setzen des Hakens sprechen. Alle Fische haben die Eigenart das Maul ständig zu öffnen und zu schließen, um sauerstoffreiches Wasser durch die Kiemen zu filtern. Steht eine Forelle mit dem Kopf zu uns und hat im Augenblick des Anhiebs das Maul wieder geöffnet, so ist die Chance groß, die Trockenfliege flugs unverrichteter Dinge heraus zu ziehen. Timing ist alles. Ein ultraschneller Anhieb, am besten schon vor dem eigentlichen Biss, gelingt nicht immer, wäre aber wegen der deutlich besseren Fehlhakquote vorzuziehen. Gute Chancen hat man beim Posenfischen auf Schleien. Der Anhieb kann gar nicht früh genug kommen.

Selbsthakmethoden verbieten sich von selbst, da sie meist klappen, ein Running Rig ohne die geringste Hemmung ist vorzuziehen. Niemand zwingt uns, die Rute in der Hand zu halten oder auch nur in unmittelbarer Nähe zu verweilen. Widrigenfalls lohnt es sich die Reaktionsgeschwindigkeit eines Schachspielers anzutrainieren oder abzuwarten, bis das Alter das seinige dazutut. Ein wohltuendes Beispiel gab ein Freund, den die zuckende Rutenspitze nicht aus der Ruhe brachte: „Ich warte, bis sie sich festbeißen.“ Sehr zur Nachahmung empfohlen.


2. Sensibel oder voll die Kante?

Der geneigte Leser hat sicher schon erkannt, es geht um den Anhieb. Vor allem bei dünnen Vorfächern empfiehlt es sich, die Rute nachdrücklich hochzureißen. Ebenfalls sehr zu empfehlen ist auch, Vorfächer auf langjährigen Vorrat zu binden oder zu kaufen und hell neben der Heizung zu lagern. Moderne Materialien sind wie Wein…
Tango.jpgTango.jpg

Hat man versehentlich doch einen angemessenen Durchmesser gewählt, so mag man durch vorsichtiges Zupfen prüfen, ob der Fisch tatsächlich ernsthaft am Köder interessiert ist. Manchmal spuckt er ihn dann irritiert aus.

Zum Streamern auf Hecht habe ich neulich über den Strip-Strike gelesen, wobei ich annehme, dass vor dem Anhieb die Kleidung abzulegen ist. Also auch beim Hechtangeln, egal mit welcher Methode, bleiben wir also ruhig und überlassen dem Wasserwolf die nachhaltige Kontaktaufnahme.

Bremse locker, Bügel offen! Schließlich möchten wir den natürlichen Fluchtreflex nicht unterdrücken und wollen wissen, wo die Unterstände der Fische sind. Sobald es weder vor noch zurückgeht, kennen wir den Standort genau und markieren ihn mit abgerissenen Haken und Vorfächern für die Nachwelt. Und erzählt mir nichts von Baitrunnern! Bevor ich sowas hatte, durfte ich mehrmals einen ordentlichen Run hinter den Ruten her machen, Bremse und Schnurbügel natürlich dicht. Da spart man sich den Anhieb. Ist dennoch zu aufregend.

3. Hauptsache hält?

Sehr empfehlenswert ist es, die Streamer, Wobbler und Haken, die uns schon an die Boddengewässer und Schären begleitet haben, erst kurzfristig aus den wasserdichten Boxen zu entnehmen. Eine raue Oberfläche in brauner Tarnfarbe zeugt von der Griffigkeit der Haken. Ein Test der Spitze verbietet sich wegen der Verletzungsgefahr und Tetanusvergiftung.

Völlig unterbewertet ist ein stabiler Widerhaken, der den Durchmesser des Hakens um bis zu 50 % vergrößert. Gerade beim Eindringen in knochige Raubfischmäuler äußerst hilfreich. Mehr dazu lest Ihr unter „Glaubensfragen“!

Nachdem ich in meiner Jugend die Haken immer penibel im Köder versteckt habe, konnten mich die Karpfenspezis mit ihren Haar-Montagen völlig verwirren. Freiliegende Haken, total egal! Hier helfen nur große Köder, 20mm+ Boilies mit 16er Haken oder aber eine veritable Größe, etwa ab 2 bis +1, es könnte ja der Personal Best beißen. Alle anderen Fische, die man ja eh nicht fangen möchte, verschrecke ich so lieber.

4. Fazit

Vor vielen Jahren las ich von einem Fliegenfischer, der die Trockenfliegen ohne Hakenspitze benutze. Ihm ging es nur darum, die Forellen zum Steigen zu verführen. Das dürfte die hohe Schule sein! Nur noch den Fisch zum Biss bewegen, kurz Kontakt aufnehmen und ihn befriedigt davon ziehen lassen. Leider klappt das bei mir nicht immer, es finden sich immer wieder selbstmörderische Fische, die den Weg in den löchrigen, mürben Kescher finden.

Hier bietet sich unsere letzte Chance! Schließlich sind die Fische so glitschig, dass sie immer wieder aus den Händen gleiten. Manchmal gelingt dabei ein letztes Foto.

3Glitschig.JPG3Glitschig.JPG
Mit wie gewohnt besonders freundlichen Grüßen aus dem Revier
Wolfgang

A40 - woanders is auch Scheisse
Letzte Änderung: 18 Mai 2019 09:55 von Tief im Westen.
Folgende Benutzer bedankten sich: Tincer, Georgs

Aw: Stoltenberg's Bemerkungen (AM HAKEN) 18 Mai 2019 10:55 #19603

  • Montauk
  • OFFLINE
  • Ständig hier
  • Beiträge: 253
Super Idee Wolfgang! Finde ich Klasse!
Volker

Und wie immer sehr kurzweilig! Mehr davon!!
Fun-frisch geangelt!
Letzte Änderung: 18 Mai 2019 11:02 von Montauk.
  • Seite:
  • 1
Ladezeit der Seite: 0.08 Sekunden

Neu im Forum:

Mehr »